Motorenhalle Dresden | 08. November 2018 - 10. März 2019

R_E_Volution 1918/2018 Kunst, Revolution, Evolution, Volution -
100 Jahre, 50 Jahre, heute, morgen, irgendwann - ein Programm

Art, Revolution, Evolution, Volution -
100 years, 50 years, today, tomorrow, in future projection - a programme


Das Ende des Ersten Weltkriegs vor rund 100 Jahren ging einher mit Umwälzungen in Europa und im Nahen Osten. Es kam vielerorts zu Revolutionen, zu gewaltsamen Auseinandersetzungen um die Durchsetzung antagonistischer Konzepte von Zukunft. Deren Bezug zu unserer Zeit spüren wir gegenwärtig wieder deutlicher und sensibler als wohl noch vor einigen Jahren.

Indem wir das letztliche Scheitern der damaligen R_E_Volutionen, Auf- und Umbrüche diskutieren, könnten Ideen, Alternativen, Möglichkeiten für unsere eigenen möglichen, noch nicht realisierten Zukünfte aufscheinen. Wir fragen: Wie reflektieren heutige Künstler*innen die Auswirkungen jener Ereignisse auf unsere Gesellschaft? Was können Revolution, Evolution, Volution (engl.: eine rollende oder umwälzende Bewegung, Schneckengang) auch in ihren Interferenzen für uns heute bedeuten?


Around one hundred years ago as one after the other and occurring simultaneously, different sorts of upheavals in many countries and regions in Europe and in the Middle East began to take place1, the First World War might have been ending, but at the same time a phase of violent confrontations began in multiple places for the assertion  of always differing or antagonistic concepts of the future, whose influences or aftermath we can sense more distinctly and sensitively than this was possible but a few years ago.

How do artists today reflect about the effects of such events upon today's and the previous society and within this  also indirectly upon contemporary art?


KURATOR*INNEN_CURATORS: Andrea Domesle, Basel, CH | Frank Eckhardt, Dresden





„Die gescheiterte Hoffnung (nach C. D. Friedrich)“
Installation (Brot, Holz, Bindfaden)

Revolutionen verlaufen zumeist blutig.

In diesem Sinne steht das Kriegsschiff Aurora auch für den gewaltsamen Umsturz Russlands durch die so genannte Oktoberrevolution.

Der Panzerkreuzer, der am 7. November 1917 mit dem ersten Kanonenschuss die Erstürmung des Winterpalais und damit die Kampfhandlungen eröffnete, liegt als nunmehriges Museumsschiff an der Neva in St. Petersburg.

Die Aurora, schon vor den historischen Ereignissen benannt nach der antiken Göttin der Morgenröte, beschwört also das Herannahen einer neuen Zeit und die damit verbundene Hoffnung auf eine Besserung der Lebensumstände.

Als Mahnmal, im Fluss schaukelnd, bringt sie aber auch in Erinnerung, was von diesen Erwartungen verwirklicht und welche Opfer gebracht werden mussten.

Gemäß der seinerzeitigen Parole „Friede Land Brot“ wurde die Aurora im Maßstab 1:100 aus Brot gebaut und findet sich gefangen in einem Meer aus Brot, das sich zu Eisschollen auftürmt und das Schiff gefangen hält.

Assoziationen zu Caspar David Friedrichs „Eismeer“, das bis 1965 als „Gescheiterte Hoffnung“ betitelt wurde, sind durchaus gewollt und haben der Installation auch den Namen verliehen.