DER GESANG DER SIRENEN
Neues Museum Weimar | 29. April 2012 – 10. Juni 2012
Der Gesang der Sirenen - Prellergalerie

„Der Ursprung des Daseins ist die Bewegung. Folglich kann es darin keine Bewegungslosigkeit geben, denn wäre das Dasein bewegungslos, so würde es zu seinem Ursprung zurückkehren, und der ist das Nichts. Deshalb nimmt das Reisen nie ein Ende, nicht in der höheren und auch nicht in der niederen Welt.“
(Ibn Al Arabi, 1165–1240)


Wäre die Odyssee nicht als legendäre Irrfahrt in Verruf geraten, dann würde wahrscheinlich jede größere Stadt ein Transportunternehmen oder Reisebüro gleichen Titels aufweisen. Denn dieses berühmt gewordene Abenteuer gilt als Symbol für Mobilität schlechthin, und auch der moderne Mensch bewegt sich oft genug nicht nur freiwillig, sondern aus äußeren Zwängen von einem Ort zum anderen.

Odysseus, als Namensgeber einer weltberühmten Reise, war als Herrscher der Insel Ithaka naturgemäß öfter unterwegs als seine zeitgenössischen Landratten. Schon die Vorbereitung des Trojanischen Krieges führte ihn bis Zypern und auf einige Inseln der Ägäis. Die eigentliche Odyssee verschlug ihn und seine Mannschaft, nach dem Fall von Troja, bis an die nordafrikanische Küste, nach Sizilien und zu den Säulen des Herkules, dem heutigen Gibraltar. Ständig wechselten halbwegs bekannte Küstenverläufe mit völligem Neuland, und Angst überflügelte oftmals die Neugierde.

Neben den Fährnissen der Schifffahrt gehörte ein stetes Auslaufen und Anlanden, Beladen und Entladen der Schiffe, das Verstauen von Speis und Trank und der errungenen Beute zur Schiffsroutine. Angesichts drohender Gefahren musste oft überstürzt in See gestochen werden. Hab und Gut wurde dabei zurück gelassen, anderes ging zu Bruch oder wurde schlecht verstaut und ging dadurch verloren. Die Podeste aus Umzugskartons erinnern, gemeinsam mit der schützenden Noppenfolie, kontrastierend an die damalige und die derzeitige Praxis von Reise und Transport.

Die Werke in der Prellergalerie widmen sich den wesentlichen Themen von Odyssee und antiker Mythenwelt. Die Ecksalons hingegen richten ihren Fokus auf die biologischen und evolutionären Fakten der Fortbewegung als Urtrieb und existentielle Notwendigkeit. Und auf die zeitgenössischen Aspekte von Tourismus und Souvenirkultur.


L’Odyssée - Das Journal für den Reisenden und Heimkehrer kann sowohl parallel zur Ausstellung, als auch unterwegs oder entspannt zuhause konsumiert werden und steht, wie die Bordlektüre im Zug oder Flugzeug, kostenlos zur Verfügung.
l'Odyssée - Magazin für den Reisenden und Heimkehrer